Die angelsächsischen Feldzüge , Die englischen Kiptschak

Die angelsächsischen Feldzüge Papst Gregor hieß der Große, aber selbst er, der „Statthalter Christi auf Erden“, vermochte es nicht, ein neues Volk zu schaffen. Italien schloss sich die Lombardei an, wurde jedoch weder einheitlich noch friedlich. Es blieb für immer ein Land mit zwei stark unterschiedlichen Teilen, einem nördlichen und einem südlichen. Hier leben unterschiedliche Völker, wenn sie sich auch seit Jahrhunderten sämtlich als Italiener und Katholiken empfinden und dieselbe Sprache sprechen. Die Langobarden waren und blieben Angehörige des Turkvolkes. Im Jahre 567 begannen sie einen Krieg gegen Rom, was bei tausenden Kiptschak in Europa Unterstützung fand. Jahrhundertelang gingen die Unruhen in Italien von der Lombardei aus. Bis heute ist dort das turkische Blut nicht erkaltet. Folglich vermischten sich in Italien die Sprachen, nicht aber die Völker selbst! Die Religion schloss sie zusammen und söhnte sie miteinander aus. Aber sie veränderte die Menschen nicht. Ein Volk kann unmöglich geschaffen werden. Das Blut der Ahnen stirbt nicht, es geht auf die Nachkommen, auf jede ihrer kleinsten Zellen, schließlich auf ihre Seele über. Die Erinnerung an die eigene Vergangenheit kann in einem Volk erlöschen. Aber auch das nicht für alle Zeiten. Sie wird durch die Stimme des Blutes geweckt. Diese Stimme klingt nach und lässt das turkische Europa bis heute nicht absterben. Die römisch-katholische Kirche beschäftigten damals nicht nur die Langobarden, sondern auch die Kiptschak an den Rheinufern. Wodurch war dieses Interesse bedingt? Nicht durch das Territorium. Am Rhein hatten die Kiptschak reiche Eisenerzvorkommen gefunden und brachten den Eisenguss in Gang. Sie nannten diese Gebiete Thering, was als „etwas Reiches“ übersetzt wird. Das Eisen zog die Kirche an. Ohne Eisen wäre Westeuropa ein Hinterhof der mittelalterlichen Welt geblieben. Plötzlich tauchten hier Benediktiner auf, sie wollten „das, was vom Römischen Imperium übrig geblieben war, mit der überschäumenden jungen Kraft der Kiptschak vereinigen“. Sie handelten planmäßig und waren stets auf dem Laufenden. Früher einmal hatten Kelten am Rhein gelebt, ein Volk, von dem sich wenig sagen lässt. Ein Benediktiner berichtete dem Papst über ihre Begegnung mit den Kiptschak: Die Kelten „waren über die Menschen verwundert, die ihnen körperlich und geistig überlegen waren“, sie bestaunten die Kleidung der Kiptschak, ihre Waffen, besonders aber ihren „festen Geist“. Das Staunen ist begreiflich: Die Kelten trugen Röcke, kannten das Eisen nicht und hatten bis dahin keine Pferde gesehen. Ihr Leben war völlig anders als das des Turkvolkes, wenn auch genau so beschaffen wie das Leben der übrigen, originären Europäer. Außerdem lebten die Gallier am Rhein, die sich wenig von den Kelten unterschieden. Die Römer nannten die Gallier, die Kelten und die dortigen Kiptschak mit dem Sammelnamen germanische Stämme. Dabei waren das unterschiedliche Völker. Aber im mittelalterlichen Europa wusste man von Völkern recht wenig. Die Byzantiner z. B. bezeichneten alle Nicht-Byzantiner als „Skythen“ oder als „Kelten“, wobei sie nicht ein Volk, sondern die Bevölkerung eines Landes meinten. Die „germanischen Stämme“ besiedelten das nicht-italienische und nicht-byzantinische Europa, sowohl seine Wälder als auch seine Steppen. In der Waldgegend lebte die „Bevölkerung“ ganz anders als in der Steppe. Die Lebensweise, die Wirtschaft, die Sprache, der Glaube, die Kleidung, aber in erster Linie die Waffen waren unterschiedlich. Die „Germanen“ in der Steppe wurden in Chroniken „Tungren“, „Tangren“ und „Tengren“ genannt. Wovon zeugen wohl diese Worte? Awaren, Alemannen, Barsilen, Bulgaren, Burgunder, Goten, Ostgoten, Gepiden, Hunnen, Langobarden, Utiguren, Kurtiguren – das wäre vielleicht nur ein Zehntel der Namen der „germanischen Völker“, die die Historiker fixieren. Hier aber eine Zeile aus einem byzantinischen Brief aus dem Jahr 572: „… Hunnen, die wir gewöhnlich Kiptschak nennen“. Da wird mit einem Mal alles klar. Diese Zeile ist bei weitem nicht die einzige. Wie sich herausstellt, sprachen einige „germanische Völker“ die Turksprache und unterschieden sich gar nicht voneinander. Sie hatten die gleiche Sprache, die gleichen Sitten, die gleiche Geschichte. Sie waren gute Schmiede, führten Kriege hoch zu Ross, zu ihrer Kleidung gehörten Hosen, sie tranken die Stutenmilch, einige trugen blonde Perücken. All diese Fakten sind der Wissenschaft bekannt. Genauso wie die Tatsache, dass der heilige Schutzgeist in Sachsen der Drache war. Er schmückte die Fahnen der „Germanen“ bis ins 12. Jahrhundert hinein. Das unverkennbare Zeichen des Alten Altai! Wenn Historiker von „wilden germanischen Stämmen“ sprechen, irren sie gewaltig. Sie wissen nicht, dass das Turkvolk einst in Übereinstimmung mit der Regel lebte, nach der ein Ulus (Geschlecht), das an die Macht kam, der Horde seinen Namen gab. Manchmal nahm eine Horde den Namen ihres Anführers, des Khans, an. Manchmal gab es auch einen Beinamen, wenn er berechtigt war. Die Angehörigen des Turkvolkes haben eine scharfe Zunge und gaben viele treffende Beinamen. So entstand der Name „Gepiden“ oder „Gepanta“ keineswegs zufällig. Eine Sage berichtet darüber, wie die Goten über ein Meer fuhren und einige ihrer Landsleute hinter den Übrigen zurückblieben, so dass ihr Schiff als Letztes die Küste erreichte. „Gepide“ heißt „faul“, hier handelt es sich um ein Wortspiel in der Turksprache: „gepi anta“ bedeutet so viel wie „dort sollst du dich auch abtrocknen“. In einer Chronik heißt es, später hätten sich „die Langobarden und die Awaren“ von den Gepiden getrennt. Um die Awaren gab es eine andere Geschichte, und auch die ist wohl bekannt. Dieses Geschlecht floh im 6. Jahrhundert aus dem Altai nach Europa, und der Große Khan ließ es verfolgen. Aber die Flüchtlinge wurden nicht gefangen, sie hielten sich im Kaukasus versteckt. Dann zogen sie nach Konstantinopel weiter und tauchten schließlich im Alpenvorgebirge auf. Heute heißen sie Bayern. Ein weiteres Beispiel. Ein Khan hatte zwei Söhne, Utigur und Kurtigur. Nach dem Tode des Vaters teilten die Söhne die Besitzung, ihre Horden hießen seitdem die „Utiguren“ und die „Kurtiguren“. Die einen rasierten sich den Hinterkopf, die anderen den ganzen Kopf kahl. Das war der ganze Unterschied zwischen diesen zwei „germanischen Völkern“. Andere trugen nach wie vor lange Haare oder rasierten sich den Kopf bis auf eine Stirnlocke kahl. Die „germanischen“ Kiptschak führten das gleiche Leben wie die Große Steppe und bauten gleiche Städte, denn sie kannten nur diese eine Bauweise. Ihre Städte leben fort. Eine davon ist das berühmte Calais, „Festung“ in der Turksprache, aber keine steinerne, sondern eine aus Holz und von einem Erdwall umgeben. Nach der Stadt wurde die Straße, die das Festland von einer riesengroßen Insel trennt, Pas de Calais genannt. In römischen Chroniken war diese Insel als Albion bekannt, aber die Kiptschak nannten sie Inglend. Warum? In der alten Turksprache bedeutete die Vorsilbe „ing“ so viel wie Beute. Inglend, bzw. England, war „erbeutetes Land“. Erbeutet wurde es bei einem Feldzug. Im 5. – 6. Jahrhundert fanden die berühmten angelsächsischen Feldzüge statt. Zwei große Horden landeten damals auf der Insel. Ihre Anführer waren Khan Cerdic und sein Sohn Cynric (kommt der Vorname Heinrich nicht daher?). Die mit Piken bewehrten Reiter bestiegen ihre Schiffe und erreichten die Insel. Dieses Ereignis ist in der Geschichte Englands genau fixiert. Über jene Zeiten erzählt eine Sage. Ein junger Kiptschak ging am Ufer eines Flusses entlang, seine Beine trugen ihn nicht recht. An seinem müden Körper hingen dicke Goldketten, seine Arme waren mit Spangen voller Edelsteine geschmückt. „Wozu hast du die Schätze nötig?“ fragten ihn die Inselbewohner. „Ich suche einen Käufer dafür. Auf den Preis kommt es mir nicht an.“ Da sagte ein Mann: „Ich gebe dir viel Flusssand.“ Der junge Mann war einverstanden, verkaufte sein Gold gegen einen Sack Sand und ging. Alle lachten über ihn und priesen ihren Genossen, der den Fremden so schlau betrogen hatte. Am Tag darauf erschienen dort Reiter. Die Bewohner waren entrüstet. Darauf trat der junge Mann mit einem Sack voll Sand hervor und verstreute ihn über das Ufer. Die Inselbewohner verstummten, denn sie verstanden: Nun ist es sein Land, er hatte es am Tag zuvor für sein Gold gekauft. Der Tradition getreu, schlugen die Kiptschak ein Lager auf, später bauten sie eine Festung und nannten sie einfach Kent („steinerne Festung“). Niemand wagte mehr, sich gegen sie aufzulehnen, denn sie hatten das Land redlich erworben. Das war die Einleitung zu den englischen Kapiteln der turkischen Geschichte. Die englischen Kiptschak Auch die angelsächsischen Feldzüge wurden aus der Erinnerung des Turkvolkes absichtlich verdrängt. Jahrhundertelang wurden Gräuelmärchen von Bestialitäten der Ankömmlinge ausgestreut. Eine Erfindung jagte die andere. Das hat absurde Ausmaße angenommen. In der Geschichte Großbritanniens orientiert sich heute das ungebildete Publikum besser als so mancher Wissenschaftler. Viel zu viel wurde darin durcheinander gebracht. Die Frühgeschichte ist im Grunde nicht erforscht, das verbot die Kirche, die selbstständig Englands „Geschichte schuf“. Im 8. Jahrhundert schrieb der Benediktiner aus dem Kloster Yarrow, Beda Venerabilis („der Ehrwürdige“), das Buch „Die angelsächsische Kirchengeschichte“. Mit ihm begann die Verfälschung, und Lügen trübten für immer das einst klare Wasser der Themse. Doch gibt es auch eine andere, wirklich beeindruckende Schrift: die Arbeit des hervorragenden englischen Historikers Edward Gibbon, sieben unübertroffene Bände, die er im 18. Jahrhundert verfasste. Wie sonst niemand, berichtete der Wissenschaftler über das mittelalterliche Europa, und dies ausführlich und etwas genauer, als die Kirche ihm erlaubte. Dieses „etwas genauer“ reichte, um die Vorwürfe des Papstes und seiner Diener hervorzurufen. Die Vergangenheit Großbritanniens sei so gut den am wenigsten gebildeten meiner Leser bekannt und so dunkel für die Wissenschaftler selbst, stellte Gibbon traurig fest. Tatsächlich gab es keine Eroberung Englands, denn es waren die Inselbewohner selbst, die die „überaus weisen Saken“ (so nannten sie die Kiptschak) zur Einwanderung aufforderten. Sie überließen ihnen die fruchtbarsten Ländereien, damit die Kiptschak ihnen das Pflügen beibrachten, und eigneten sich das Züchten für sie neuer Vieharten an. Sie erkannten auch Tengri und sein Kreuz an. Jahrhundertelang wurde alles Turkische in der englischen Geschichte eifrig ausgemerzt. Die „nomadisierenden Hunnen“, die einst an der Küste von Albion landeten und zu den Lieblingshelden der altenglischen Balladen wurden, sind inzwischen vergessen worden. Es ist, als hätte es in Englands Geschichte nicht den Prediger Aidan gegeben, der den Inselbewohnern den Glauben an den Gott des Himmels eröffnete. Der Seelenhirt durchwanderte das englische Land in Begleitung eines Dolmetschers, weil er woanders geboren worden war. Noch früher, im Jahre 432, empfing auch der nationale Heilige Irlands, Patrick, das Kreuz aus Aidans Händen. Gesagt sei, dass das lateinische Kreuz in jenen Jahren nicht existierte. Es entstand erst ein Jahrhundert später. Die Christen hatten das turkische, gleichseitige Kreuz. Solche Kreuze sind an den Denkmälern des alten England geblieben, nur sie werden von Archäologen gefunden. Das ist ein für den Historiker sehr wichtiges Detail. Den Namen Aidan (in der Turksprache: „hell“, „licht“) wird von den Engländern gegenwärtig etwas anders ausgesprochen, als Eden. Zu ihrer Ehre sei gesagt, dass sie die Tat des Predigers dennoch nicht entstellt und nicht umgeändert haben. Allerdings wurden viele Einzelheiten ausgelassen. Vergessen sind auch die alten Kurgane, die in Südengland seit Attilas Zeiten geblieben sind. Dabei sind sie sichtbar und sehen genauso aus wie die Kurgane des Altai oder der Großen Steppe. Im Ort Sutton-Hoo der Grafschaft Suffolk besteht sogar das Hügelgrab eines Herrschers, das größte der fünfzehn hier entdeckten. Ausgegraben wurden Waffen und Goldschmuck, eine außerordentlich feine Arbeit, echte Kunstwerke. Die Ornamente sind unverkennbar turkisch. Besonders schön sind Hirschfigurinen. Sie sind wie eine Kopie der altaischen Elen, als hätte man sie von dort hergebracht. Und das in England, einem Land, das, wie Lehrbücher behaupten, im 5. Jahrhundert von „wilden Barbaren“ überfallen worden war. Übrigens ist das Wort „London“ turkischer Herkunft (vom chines. lung, in der Turksprache „Drache“, „Eidechse“); es sagte schon im 5. Jahrhundert den englischen Jungs, das es dort, am Flussufer, viele Schlangen gab. Von der altenglischen Sprache wollen wir hier nicht sprechen – um den Turkologen, die sich diesem Rätsel vielleicht einmal zuwenden werden, ihr künftiges Fest nicht zu vergällen. Sie werden sicherlich über die erstaunliche Ähnlichkeit von vielen Worten der Turksprache und des Altenglischen verblüfft sein. Dafür gibt es nicht wenig Beispiele. Hier nur einige davon. Die turksprachige Entsprechung des Wortes „young“ war „jang“; „befestigen“ hieß „tak“ usw. Sinngemäß und in der Schrift sehr nahe sind die altturkischen und englischen Wörter wie „ton“ (Haltung, Ton, Stil), „kert – kerf“ (Kerbe, Einschnitt), „tang tung et – tang“ (schrill tönen). Selbst der berühmte Londoner Tower ist ein Hinweis auf den Hügel, auf dem er steht: „tau“ bedeutete so viel wie Hügel oder Berg. War ein Dialekt der Turksprache womöglich die Sprache von Altengland? „Das ist hier die Frage!“ Die Engländer übernahmen das Latein unter dem Druck der Kirche, davon zeugen ihre Bücher. Beispielsweise „Ethelberts Gesetze“, das älteste Buch in Altenglisch, das an der Wende zum 7. Jahrhundert in der Stadt Kent erschien. Darin wurden – die Gesetze der Langobarden und anderer Kiptschak wiederholt. Denn auch die neuen Engländer lebten in Übereinstimmung mit diesen Gesetzen. Der Text ist in Runen geschrieben, gleich anderen altenglischen Texten. Später verschwand das Buch rätselhafterweise. Warum wohl? Das ist nur zu verständlich. Die Kirche verbrannte die Bücher Altenglands auf den Scheiterhaufen der Inquisition. Aber Kopien blieben, und von Zeit zu Zeit werden sie unter den überraschendsten Umständen gefunden. Solche Funde sind unschätzbar. Nach allem zu urteilen, war die altenglische Literatur sehr ausdrucksvoll. So ist in der Tierdichtung „Bestiarium“ die Rede von drei Schutzgeistern: dem Irbis, dem Walfisch und dem Rebhuhn. Woher wussten die Engländer vom Irbis, einem Tier aus dem Altai? Woher von dem altaischen Brauch, die Schutzgeister zu verehren? So manche englische Gewohnheit weist direkt auf ihre turkische Herkunft hin, z. B. das Einander-auf-die-Schulter-Klopfen. Das war ein echt turkischer Brauch. Wissen die vergesslichen Engländer, dass ihr geliebtes Polospiel (vom Pferd aus und mit Treibhammern) lange vor der Großen Völkerwanderung ebenfalls im Altai entstand? Nur dass dort nicht mit dem hölzernen Treibball gespielt wurde, sondern mit dem Kopf eines Feindes, der in einem Ledersack steckte. Das war ein festliches Siegesspiel. Nein, das Blut der Kiptschak ist in den kalten Adern der Engländer nicht erkaltet. Das Äußere und das Verhalten dieser Menschen, die es manchmal ganz heiß mögen, verraten dieses Blut. Beliebt sind Boxen oder auch eine einfache Schlagerei. Selbst ihren Tee nehmen sie nach wie vor mit Milch, wie Schafhirten bei einer Rast, denn so tranken ihre Ahnen einst Tee. Sie lieben Pferde und Pferderennen, weil Pferd und Rennen zu den Kiptschak gehörten. Sie veranstalten Treibjagden auf Füchse und Hirsche in ihrem England, weil Angehörige des Turkvolkes nur so, nämlich vom Pferd aus, jagten. Auch die Falkenjagd kennen die Engländer ausgezeichnet. Woher stammt all das bei den Bewohnern von Albion? Eines Randgebietes des Römischen Reiches? Ein interessantes Volk, das seine Traditionen pflegt, ohne zu verstehen, dass es sich um Überreste seiner einstigen Kultur handelt. Jener Kultur, die vergessen oder, richtiger, die zu vergessen befohlen wurde. Bis zuletzt bewahrten die Engländer beispielsweise ihre alten Geldzeichen und Münzen. Ihr „komisches“ Geld ist ebenfalls ein Echo des Steppenlebens. Der englische Shilling rührt vom Wort der Turksprache „scheleg“, „für den Umlauf untaugliche Münze“; er enthält 12 Klein- oder Umlaufmünzen. „Penny“ leitet sich von „peneg“, d. h. Kleinmünze, ab. Und schließlich der Sterling: Diese Masseneinheit hieß in der Turksprache „sytyr“ oder „sytyrling“ und zählte 20 Scheleg. Alles ist bei den Engländern genauso geblieben. Die Ähnlichkeit des Wortes der Turksprache „manat“ mit dem englischen Wort „money“ untermauert diese Beobachtung. Das eine wie das andere bedeutet „Geld“. In ihrem Parlament haben die Engländer – seit vielen Jahrhunderten! – einen Sack mit Schafwolle. Ein solcher Sack war bei den Kiptschak ein Symbol der Macht. In der Großen Steppe saßen die meist verehrten Richter darauf. Die Engländer tragen ihre Fracks und wissen nicht, dass diese aus dem Altai kommen. Ihre Nachbarn, die Schotten, tragen ihre Kilts und genießen die traurigen Klänge ihrer Schalmeien, haben eine andere Lebensweise und dulden nichts Turkisches um sich. Weil es ihnen fremd ist. Auch ein anderes Volk Großbritanniens, die Waliser, die auch von den Engländern fremd genannt werden, haben nichts „Turkisches“ übernommen. Selbst ihre Feste sind anders – viel zu langweilig für einen echten Kiptschak. Die englischen Kiptschak stolzieren heutzutage selbstbewusst umher – und haben vergessen, was ihre Ahnen im Altai sagten: „Auch wenn man eine fremde Hose anzieht, bleibt man nicht unerkennbar.“ Das war Volksweisheit! Die Benediktiner schafften es mit List und Lüge doch, den Engländern fremde Hosen anzuziehen, veränderten sie jedoch dadurch nicht, machten sie nicht zu einem neuen Volk. Ein Anführer der Mönche, Augustin, wurde im Jahre 597 der erste englische Bischof. Der Papst setzte die Macht der Kirche in England durch. Als Erste bekannten sich Adlige zum Katholizismus. Die vierte oder fünfte Generation des Adels aber schämte sich bereits ihrer „wilden“ Ahnen. Alles kam genauso wie bei den Langobarden und Burgundern. Die Mönche gingen auf der Insel Tan an der Küste bei Kent an Land und begaben sich zum König, weil sie wussten, dass seine Ehefrau schon vor ihrer Heirat heimlich zum Katholizismus übergetreten war. Bei ihr fanden sie Zuflucht. Bald konvertierte Ethelbert, noch kein König, aber auch kein Khan mehr, zum katholischen Glauben. Ihm folgten seine Untertanen. Seitdem fügten sie sich in den Willen des Papstes, des „Statthalters Christi auf Erden“. Freilich stellten einige Engländer beharrlich zwei Altäre in den Kirchen auf: einen für Tengri und einen für Christus. Aber das änderte nichts mehr: Die Seele des Volkes war schon verkauft. Der Streit darum, wessen Altar besser sei, war kurz und wurde 663 beigelegt. Die Römer überlisteten die vertrauensseligen Engländer, indem sie ihnen die Schlüssel zum Himmel versprachen, falls nur ein Altar in ihren Kirchen bleibe. Es blieb also nur einer da. England wurde christlich. Aber der Doppelglauben hat sich bewahrt, er ist eine Norm, die die anglikanische Kirche bis heute auszeichnet: Der Katholizismus ist ein dunkler Schatten ihrer Vergangenheit. Er hat die Kirche unauslöschbar geprägt.

18.10.13 09:36

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