„Kathylik“ bedeutet „Verbündeter“ "Katholiken"

„Kathylik“ bedeutet „Verbündeter“ In Rom mit seinen 300 000 Einwohnern hatte es früher keine Kirche gegeben. Dort bestand seit dem 1. Jahrhundert eine Sekte: Ein Dutzend Menschen versammelte sich in einer unterirdischen Höhle, und gerade sie wurden später Christen genannt. Sie befolgten die Regeln der jüdischen Religion: beteten in Synagogen, feierten die biblischen Feste und nahmen die Beschneidung vor. Für die meisten Römer waren die Wörter „Jude“ und „Christ“ gleichbedeutend. Das zeichnete das frühe Christentum aus, das anders als heute war. Die Sektierer nannten sich selbst Atheisten (das war ihr Wort!), erkannten keine Götter an, hatten keine Kirchen, kannten weder Kreuz noch Heiligenbilder. Die Behörden hatten Angst vor diesen Gottlosen und setzten sie Verfolgungen aus. Das Wort Christentum kam Ende des 3. Jahrhunderts bei den Griechen auf. Als Religion wurde es Anfang des 4. Jahrhunderts in Derbent, d. h. im Kaukasus, bekannt. Dann erkannte man den Glauben in Europa und in den Nahostländern an. Aber in Rom gilt von alters her Rom allein als die Wiege des Christentums. Das ist dort die herrschende Ansicht, weil das einmal die katholische Doktrin verkündete. Den Bischof von Rom erklärte sie zum ersten Geistlichen der christlichen Welt, zum Papst. Bemerkenswerterweise erfuhren die Römer das Wort „Papst“ ebenfalls Anfang des 4. Jahrhunderts: Die früheste Inschrift ist an den Wänden der römischen Katakomben des Hl. Calixtus gefunden worden. Aus irgendeinem Grund wird dem Wort griechische Herkunft zugeschrieben, obwohl die Griechen selbst einen solchen Titel nicht kannten. Kennzeichnend für die Urheber der katholischen Doktrin war eine unerklärbare Logik buchstäblich in allem. Nur selten entsprach sie der Wirklichkeit, ja sie widersprach ihr, aber das störte niemanden. Der Grund bestand darin, dass die Römer damals auf Erfolge der Griechen neidisch waren. Denn unter dem Vorwand des Kampfes um das Christentum begann Byzanz die Eroberung des Nahen Ostens, seiner reichen Städte und Länder. Die Römer wollten dem etwas entgegensetzen, darauf wirksam reagieren, aber ihre Armee war nicht stark genug. Deshalb unterzogen sich Politiker der Aufgabe, wozu sie die Kleidung von Bischöfen anlegten. Die Berechnung war einfach: das griechische Christentum anzunehmen, zu Verbündeten von Descht-i-Kiptschak zu werden und mit Hilfe der Kiptschak das eigene Ziel zu erreichen. Deshalb fassten sie das Wort der Turksprache „kathylik“, das sie vom byzantinischen Kaiser Theodosius hörten, ganz anders auf: Das Wort sagte ihnen die Idee eines Bündnisses vor! Beweise sind vorhanden, z. B. wurde im Jahre 382 eine Kiptschak-Horde zur Ansiedlung im Weströmischen Reich eingeladen. Wohlgemerkt: nicht in Byzanz! Alles wurde in Betracht gezogen und einkalkuliert. Alles fügte sich in den Rahmen besagter Politik ein. Der turkische Patriarch Ulfilas billigte die Idee der Römer, weil er darin einen Weg zur Aussöhnung zwischen Kiptschak und Europäern sah. Das war die Anerkennung des Katholizismus durch die Große Steppe. Der erste Schritt gelang. Also ging Europa noch weiter und sprach vom „Arianismus“, von einer neuen Lehre, aus der hervorging, dass die turkische Religion angeblich ein „falscher“ Teil des Christentums sei. Äußerlich änderte diese Behauptung natürlich nichts. In Wirklichkeit veränderte sie vieles: Die Worte erlangten die Stärke eines Schwertes, die Politik (das Wort!) verdrängte die Armee und trat in den Vordergrund. In geheimer Veränderung der Welt liegt das Wesen des Katholizismus. Etwas verändern, aber mit fremden Händen. Töten, aber mit fremden Händen. Nicht ein Glaube, sondern eine neue Politik entstand, die für Jahrhunderte das Wesen der westlichen Kirche ausmachen sollte. Eine solche Politik ist da – und doch gleichsam nicht da, weil sie geheim ist, den Augen und Ohren der Uneingeweihten verborgen bleibt – eine Politik, die das eine sagt und etwas ganz anderes tut. Seitdem geschah alles in Europa gleichsam zufällig. Der Bischof Damasus wurde schon in hohem Alter zum Papst, sein Leben verging in Rom. Seit den ersten Tagen umgaben Kiptschak den Papst, weil er nur ihnen allein wirklich vertraute. Sie brachten ihm die Geheimnisse des Glaubens an den Gott im Himmel bei. Andere Lehrer gab es damals nicht, konnte es nicht geben. Daher rührt der berühmte Ausspruch der Kirche: Aus dem Osten kommt das Licht. Er gehört als fester Bestandteil zu dieser Kirche. Im Gefolge des Papstes waren große Dichter und Gelehrte jener Zeit, später nannte man sie Doktoren und Kirchenväter. Der Papst „sprach ihre Worte nach“. Damals wurden die ersten heiligen Bücher geschrieben, von denen sich die Katholiken bis heute leiten lassen. Die Namen Wassili, Grigori Nasiansin, Hieronymus, Ambrosius sind dem Leser wohl kaum bekannt, ebenso wie der Name des Bischofs Augustin. Von diesen Menschen, hervorragenden Denkern, wurden Legenden erzählt. Doch ihre Schriften existieren nicht mehr, die Katholiken selbst verbrannten sie, als sie die Spuren der Anwesenheit des Turkvolkes in Europa vernichteten. Man denke jedoch darüber nach, wer diese Menschen sein konnten, die dem Westen die Anfänge der turkischen religiösen Kultur und den Glauben an Gott beibrachten. Sie verbanden den Tengri-Kult mit Christus – und darum eben ging es. Wenn das nicht Kiptschak waren – wer sonst? Andere Träger des geheimen Wissens gab es in der Welt tatsächlich nicht. Auf jeden Fall gingen sie aus einem Milieu hervor, das mit der griechischen oder hebräischen Kultur am wenigsten bekannt war. Europa wandte sich dem Osten zu, weil Licht aus dem Osten kommt. Gewiss, ihre eigenhändigen Manuskripte wurden verbrannt, ihre Biografien umgemodelt. Aber das Geschriebene hat sich erhalten! Man findet es auch in Kirchen, die nicht mit Rom oder Byzanz verbunden sind. Das ist das turkische geistige Erbe, an dem Europa in keiner Weise beteiligt ist, es lernte bloß bei den altaischen Lehrern. Die alten christlichen Bücher waren meist in der Turksprache geschrieben, denn in dieser Sprache wurde im 4., 5. und 6. Jahrhundert der Gottesdienst in allen Kirchen abgehalten. Das war Gottes eigene Sprache sowohl in Europa als auch im Nahen Osten. Bekannt sind Texte, die über anderthalbtausend Jahre alt sind. Sie werden wie Heiligtümer aufbewahrt, beispielsweise in Armenien. Nur das Turkvolk besaß damals umfangreiches Wissen vom Gott des Himmels. Und dieses Volk hatte keinen Mangel an Wissenschaftlern, namentlich an Philosophen. Das ist eine Glaubenstradition, die in sehr alte Zeiten, die Epoche des Altai und seiner Klöster, zurückreicht. Schon Herodot betonte die Weisheit und die Erkenntnisse der Skythen (d. h. Angehörigen des Turkvolkes) und staunte über die tiefen Wurzeln ihrer Kultur. Im 1. Jahrhundert demonstrierte Khan Erke (Kanischka) dem Osten diese Kultur so glänzend, dass die Buddhisten auf dem IV. Konzil die Riten und die Philosophie des Tengri-Glaubens annahmen. So entstand ein neuer, der nördliche Zweig des Buddhismus. Noch eine bemerkenswerte und ebenfalls sehr beredte Tatsache. Selbstzufrieden, wie sie waren, lernten die Römer nie Griechisch, weil sie die Griechen verachteten. Die Griechen vergalten es ihnen mit Gleichem. Die Kiptschak dagegen taten sich auch hier hervor: Europa kannte keine besseren Übersetzer als sie. Niemand hätte es in der Kunst des Übersetzens mit Hieronymus aufnehmen können, dabei stammte er von einem turkischen Geschlecht an der Donau, einem jener Geschlechter, die als Erste den Boden des Römischen Imperiums betraten. Er nahm das Christentum an, wurde zum nächsten Berater des Papstes und widmete sich dem Redigieren und der Übersetzung heiliger Bücher aus der Turksprache ins Latein. Wohlgemerkt: aus der Turksprache! Seine lateinische Übersetzung der Bibel („Vulgata“) war jener Keim, dem die gesamte christliche Literatur von Westeuropa entspross. Die Texte der Originale werden bis heute in der Bibliothek des Vatikans aufbewahrt. Sie wurden aus Descht-i-Kiptschak, genauer: vom Don, gebracht. Die Vulgata (lat.: zugänglich, in der Volkssprache abgefasst) war sogar mehr als Übersetzung. Darin wurde dem einfachen Volk, d. h. den Römern, der Sinn der Hl. Schrift in der ihnen verständlichen Sprache erläutert. Anders gesagt, klärte sie sie auf und machte sie zu kultivierten Menschen. Oder folgende Tatsache. Als die Stadt der Wissenschaft und Kunst von ganz Westeuropa galt in jenen Jahren Mailand, in dem Bischof Ambrosius lebte. Zu seinen Predigten strömten ganze Menschenmengen herbei. Große Stadtplätze hörten ihm zu. Dank Ambrosius war Mailand eine Stadt, in der die Turksprache und die Ideen des Turkvolkes hoch in Ehren standen. Dort lebten fast ausschließlich Kiptschak und so gut wie keine Römer. Unter dem Druck dieses „ungestümen Bischofs“ musste der Kaiser im Jahre 381 seine Residenz nach Mailand verlegen und im Weströmischen Reich die heidnische Götzenverehrung verbieten. Anders ausgedrückt: Er trat gegen die Traditionen der römischen Kultur auf! Die lateinischen Kiptschak dienten der katholischen Idee treu. Sie wünschten einen Bund mit Europa als ihrer neuen Heimat und wurden katholisch, um Tengri zu rühmen. Anfang des 5. Jahrhunderts kam es im Weströmischen Reich zu einem weiteren Ereignis, das ebenfalls mit den Kiptschak verbunden war. Sie sprachen Rom die Rechte der Hauptstadt ab und erklärten 402 Ravenna zur Reichshauptstadt. Ravenna unterschied sich insofern günstig von Rom, als es von allen Seiten von Sümpfen umgeben und Feinden unzugänglich war. Der einzige Zugang war die Meeresküste. Die neue Hauptstadt wurde in den Traditionen der turkischen Architektur gebaut, weil in ihr nicht Römer, sondern nur Kiptschak lebten. Eine Sehenswürdigkeit der Stadt waren Basiliken und mit hellblauen Mosaiken verzierte orientalische Mausoleen, besonders aber das berühmte Baptisterium, in dem Christen getauft wurden. Oktagone und Kuppeln – Zeichen der turkischen Architektur – waren hier überall anzutreffen. Diese Novitäten waren ebenfalls ein unbestreitbares Ergebnis der Großen Wanderung, mit ihnen begann eine neue Architektur, die Gotik. Nach der Einwanderung der Kiptschak wurden die europäischen Städte ganz anders gebaut und geschmückt.

18.10.13 09:42, kommentieren

Die angelsächsischen Feldzüge , Die englischen Kiptschak

Die angelsächsischen Feldzüge Papst Gregor hieß der Große, aber selbst er, der „Statthalter Christi auf Erden“, vermochte es nicht, ein neues Volk zu schaffen. Italien schloss sich die Lombardei an, wurde jedoch weder einheitlich noch friedlich. Es blieb für immer ein Land mit zwei stark unterschiedlichen Teilen, einem nördlichen und einem südlichen. Hier leben unterschiedliche Völker, wenn sie sich auch seit Jahrhunderten sämtlich als Italiener und Katholiken empfinden und dieselbe Sprache sprechen. Die Langobarden waren und blieben Angehörige des Turkvolkes. Im Jahre 567 begannen sie einen Krieg gegen Rom, was bei tausenden Kiptschak in Europa Unterstützung fand. Jahrhundertelang gingen die Unruhen in Italien von der Lombardei aus. Bis heute ist dort das turkische Blut nicht erkaltet. Folglich vermischten sich in Italien die Sprachen, nicht aber die Völker selbst! Die Religion schloss sie zusammen und söhnte sie miteinander aus. Aber sie veränderte die Menschen nicht. Ein Volk kann unmöglich geschaffen werden. Das Blut der Ahnen stirbt nicht, es geht auf die Nachkommen, auf jede ihrer kleinsten Zellen, schließlich auf ihre Seele über. Die Erinnerung an die eigene Vergangenheit kann in einem Volk erlöschen. Aber auch das nicht für alle Zeiten. Sie wird durch die Stimme des Blutes geweckt. Diese Stimme klingt nach und lässt das turkische Europa bis heute nicht absterben. Die römisch-katholische Kirche beschäftigten damals nicht nur die Langobarden, sondern auch die Kiptschak an den Rheinufern. Wodurch war dieses Interesse bedingt? Nicht durch das Territorium. Am Rhein hatten die Kiptschak reiche Eisenerzvorkommen gefunden und brachten den Eisenguss in Gang. Sie nannten diese Gebiete Thering, was als „etwas Reiches“ übersetzt wird. Das Eisen zog die Kirche an. Ohne Eisen wäre Westeuropa ein Hinterhof der mittelalterlichen Welt geblieben. Plötzlich tauchten hier Benediktiner auf, sie wollten „das, was vom Römischen Imperium übrig geblieben war, mit der überschäumenden jungen Kraft der Kiptschak vereinigen“. Sie handelten planmäßig und waren stets auf dem Laufenden. Früher einmal hatten Kelten am Rhein gelebt, ein Volk, von dem sich wenig sagen lässt. Ein Benediktiner berichtete dem Papst über ihre Begegnung mit den Kiptschak: Die Kelten „waren über die Menschen verwundert, die ihnen körperlich und geistig überlegen waren“, sie bestaunten die Kleidung der Kiptschak, ihre Waffen, besonders aber ihren „festen Geist“. Das Staunen ist begreiflich: Die Kelten trugen Röcke, kannten das Eisen nicht und hatten bis dahin keine Pferde gesehen. Ihr Leben war völlig anders als das des Turkvolkes, wenn auch genau so beschaffen wie das Leben der übrigen, originären Europäer. Außerdem lebten die Gallier am Rhein, die sich wenig von den Kelten unterschieden. Die Römer nannten die Gallier, die Kelten und die dortigen Kiptschak mit dem Sammelnamen germanische Stämme. Dabei waren das unterschiedliche Völker. Aber im mittelalterlichen Europa wusste man von Völkern recht wenig. Die Byzantiner z. B. bezeichneten alle Nicht-Byzantiner als „Skythen“ oder als „Kelten“, wobei sie nicht ein Volk, sondern die Bevölkerung eines Landes meinten. Die „germanischen Stämme“ besiedelten das nicht-italienische und nicht-byzantinische Europa, sowohl seine Wälder als auch seine Steppen. In der Waldgegend lebte die „Bevölkerung“ ganz anders als in der Steppe. Die Lebensweise, die Wirtschaft, die Sprache, der Glaube, die Kleidung, aber in erster Linie die Waffen waren unterschiedlich. Die „Germanen“ in der Steppe wurden in Chroniken „Tungren“, „Tangren“ und „Tengren“ genannt. Wovon zeugen wohl diese Worte? Awaren, Alemannen, Barsilen, Bulgaren, Burgunder, Goten, Ostgoten, Gepiden, Hunnen, Langobarden, Utiguren, Kurtiguren – das wäre vielleicht nur ein Zehntel der Namen der „germanischen Völker“, die die Historiker fixieren. Hier aber eine Zeile aus einem byzantinischen Brief aus dem Jahr 572: „… Hunnen, die wir gewöhnlich Kiptschak nennen“. Da wird mit einem Mal alles klar. Diese Zeile ist bei weitem nicht die einzige. Wie sich herausstellt, sprachen einige „germanische Völker“ die Turksprache und unterschieden sich gar nicht voneinander. Sie hatten die gleiche Sprache, die gleichen Sitten, die gleiche Geschichte. Sie waren gute Schmiede, führten Kriege hoch zu Ross, zu ihrer Kleidung gehörten Hosen, sie tranken die Stutenmilch, einige trugen blonde Perücken. All diese Fakten sind der Wissenschaft bekannt. Genauso wie die Tatsache, dass der heilige Schutzgeist in Sachsen der Drache war. Er schmückte die Fahnen der „Germanen“ bis ins 12. Jahrhundert hinein. Das unverkennbare Zeichen des Alten Altai! Wenn Historiker von „wilden germanischen Stämmen“ sprechen, irren sie gewaltig. Sie wissen nicht, dass das Turkvolk einst in Übereinstimmung mit der Regel lebte, nach der ein Ulus (Geschlecht), das an die Macht kam, der Horde seinen Namen gab. Manchmal nahm eine Horde den Namen ihres Anführers, des Khans, an. Manchmal gab es auch einen Beinamen, wenn er berechtigt war. Die Angehörigen des Turkvolkes haben eine scharfe Zunge und gaben viele treffende Beinamen. So entstand der Name „Gepiden“ oder „Gepanta“ keineswegs zufällig. Eine Sage berichtet darüber, wie die Goten über ein Meer fuhren und einige ihrer Landsleute hinter den Übrigen zurückblieben, so dass ihr Schiff als Letztes die Küste erreichte. „Gepide“ heißt „faul“, hier handelt es sich um ein Wortspiel in der Turksprache: „gepi anta“ bedeutet so viel wie „dort sollst du dich auch abtrocknen“. In einer Chronik heißt es, später hätten sich „die Langobarden und die Awaren“ von den Gepiden getrennt. Um die Awaren gab es eine andere Geschichte, und auch die ist wohl bekannt. Dieses Geschlecht floh im 6. Jahrhundert aus dem Altai nach Europa, und der Große Khan ließ es verfolgen. Aber die Flüchtlinge wurden nicht gefangen, sie hielten sich im Kaukasus versteckt. Dann zogen sie nach Konstantinopel weiter und tauchten schließlich im Alpenvorgebirge auf. Heute heißen sie Bayern. Ein weiteres Beispiel. Ein Khan hatte zwei Söhne, Utigur und Kurtigur. Nach dem Tode des Vaters teilten die Söhne die Besitzung, ihre Horden hießen seitdem die „Utiguren“ und die „Kurtiguren“. Die einen rasierten sich den Hinterkopf, die anderen den ganzen Kopf kahl. Das war der ganze Unterschied zwischen diesen zwei „germanischen Völkern“. Andere trugen nach wie vor lange Haare oder rasierten sich den Kopf bis auf eine Stirnlocke kahl. Die „germanischen“ Kiptschak führten das gleiche Leben wie die Große Steppe und bauten gleiche Städte, denn sie kannten nur diese eine Bauweise. Ihre Städte leben fort. Eine davon ist das berühmte Calais, „Festung“ in der Turksprache, aber keine steinerne, sondern eine aus Holz und von einem Erdwall umgeben. Nach der Stadt wurde die Straße, die das Festland von einer riesengroßen Insel trennt, Pas de Calais genannt. In römischen Chroniken war diese Insel als Albion bekannt, aber die Kiptschak nannten sie Inglend. Warum? In der alten Turksprache bedeutete die Vorsilbe „ing“ so viel wie Beute. Inglend, bzw. England, war „erbeutetes Land“. Erbeutet wurde es bei einem Feldzug. Im 5. – 6. Jahrhundert fanden die berühmten angelsächsischen Feldzüge statt. Zwei große Horden landeten damals auf der Insel. Ihre Anführer waren Khan Cerdic und sein Sohn Cynric (kommt der Vorname Heinrich nicht daher?). Die mit Piken bewehrten Reiter bestiegen ihre Schiffe und erreichten die Insel. Dieses Ereignis ist in der Geschichte Englands genau fixiert. Über jene Zeiten erzählt eine Sage. Ein junger Kiptschak ging am Ufer eines Flusses entlang, seine Beine trugen ihn nicht recht. An seinem müden Körper hingen dicke Goldketten, seine Arme waren mit Spangen voller Edelsteine geschmückt. „Wozu hast du die Schätze nötig?“ fragten ihn die Inselbewohner. „Ich suche einen Käufer dafür. Auf den Preis kommt es mir nicht an.“ Da sagte ein Mann: „Ich gebe dir viel Flusssand.“ Der junge Mann war einverstanden, verkaufte sein Gold gegen einen Sack Sand und ging. Alle lachten über ihn und priesen ihren Genossen, der den Fremden so schlau betrogen hatte. Am Tag darauf erschienen dort Reiter. Die Bewohner waren entrüstet. Darauf trat der junge Mann mit einem Sack voll Sand hervor und verstreute ihn über das Ufer. Die Inselbewohner verstummten, denn sie verstanden: Nun ist es sein Land, er hatte es am Tag zuvor für sein Gold gekauft. Der Tradition getreu, schlugen die Kiptschak ein Lager auf, später bauten sie eine Festung und nannten sie einfach Kent („steinerne Festung“). Niemand wagte mehr, sich gegen sie aufzulehnen, denn sie hatten das Land redlich erworben. Das war die Einleitung zu den englischen Kapiteln der turkischen Geschichte. Die englischen Kiptschak Auch die angelsächsischen Feldzüge wurden aus der Erinnerung des Turkvolkes absichtlich verdrängt. Jahrhundertelang wurden Gräuelmärchen von Bestialitäten der Ankömmlinge ausgestreut. Eine Erfindung jagte die andere. Das hat absurde Ausmaße angenommen. In der Geschichte Großbritanniens orientiert sich heute das ungebildete Publikum besser als so mancher Wissenschaftler. Viel zu viel wurde darin durcheinander gebracht. Die Frühgeschichte ist im Grunde nicht erforscht, das verbot die Kirche, die selbstständig Englands „Geschichte schuf“. Im 8. Jahrhundert schrieb der Benediktiner aus dem Kloster Yarrow, Beda Venerabilis („der Ehrwürdige“), das Buch „Die angelsächsische Kirchengeschichte“. Mit ihm begann die Verfälschung, und Lügen trübten für immer das einst klare Wasser der Themse. Doch gibt es auch eine andere, wirklich beeindruckende Schrift: die Arbeit des hervorragenden englischen Historikers Edward Gibbon, sieben unübertroffene Bände, die er im 18. Jahrhundert verfasste. Wie sonst niemand, berichtete der Wissenschaftler über das mittelalterliche Europa, und dies ausführlich und etwas genauer, als die Kirche ihm erlaubte. Dieses „etwas genauer“ reichte, um die Vorwürfe des Papstes und seiner Diener hervorzurufen. Die Vergangenheit Großbritanniens sei so gut den am wenigsten gebildeten meiner Leser bekannt und so dunkel für die Wissenschaftler selbst, stellte Gibbon traurig fest. Tatsächlich gab es keine Eroberung Englands, denn es waren die Inselbewohner selbst, die die „überaus weisen Saken“ (so nannten sie die Kiptschak) zur Einwanderung aufforderten. Sie überließen ihnen die fruchtbarsten Ländereien, damit die Kiptschak ihnen das Pflügen beibrachten, und eigneten sich das Züchten für sie neuer Vieharten an. Sie erkannten auch Tengri und sein Kreuz an. Jahrhundertelang wurde alles Turkische in der englischen Geschichte eifrig ausgemerzt. Die „nomadisierenden Hunnen“, die einst an der Küste von Albion landeten und zu den Lieblingshelden der altenglischen Balladen wurden, sind inzwischen vergessen worden. Es ist, als hätte es in Englands Geschichte nicht den Prediger Aidan gegeben, der den Inselbewohnern den Glauben an den Gott des Himmels eröffnete. Der Seelenhirt durchwanderte das englische Land in Begleitung eines Dolmetschers, weil er woanders geboren worden war. Noch früher, im Jahre 432, empfing auch der nationale Heilige Irlands, Patrick, das Kreuz aus Aidans Händen. Gesagt sei, dass das lateinische Kreuz in jenen Jahren nicht existierte. Es entstand erst ein Jahrhundert später. Die Christen hatten das turkische, gleichseitige Kreuz. Solche Kreuze sind an den Denkmälern des alten England geblieben, nur sie werden von Archäologen gefunden. Das ist ein für den Historiker sehr wichtiges Detail. Den Namen Aidan (in der Turksprache: „hell“, „licht“) wird von den Engländern gegenwärtig etwas anders ausgesprochen, als Eden. Zu ihrer Ehre sei gesagt, dass sie die Tat des Predigers dennoch nicht entstellt und nicht umgeändert haben. Allerdings wurden viele Einzelheiten ausgelassen. Vergessen sind auch die alten Kurgane, die in Südengland seit Attilas Zeiten geblieben sind. Dabei sind sie sichtbar und sehen genauso aus wie die Kurgane des Altai oder der Großen Steppe. Im Ort Sutton-Hoo der Grafschaft Suffolk besteht sogar das Hügelgrab eines Herrschers, das größte der fünfzehn hier entdeckten. Ausgegraben wurden Waffen und Goldschmuck, eine außerordentlich feine Arbeit, echte Kunstwerke. Die Ornamente sind unverkennbar turkisch. Besonders schön sind Hirschfigurinen. Sie sind wie eine Kopie der altaischen Elen, als hätte man sie von dort hergebracht. Und das in England, einem Land, das, wie Lehrbücher behaupten, im 5. Jahrhundert von „wilden Barbaren“ überfallen worden war. Übrigens ist das Wort „London“ turkischer Herkunft (vom chines. lung, in der Turksprache „Drache“, „Eidechse“); es sagte schon im 5. Jahrhundert den englischen Jungs, das es dort, am Flussufer, viele Schlangen gab. Von der altenglischen Sprache wollen wir hier nicht sprechen – um den Turkologen, die sich diesem Rätsel vielleicht einmal zuwenden werden, ihr künftiges Fest nicht zu vergällen. Sie werden sicherlich über die erstaunliche Ähnlichkeit von vielen Worten der Turksprache und des Altenglischen verblüfft sein. Dafür gibt es nicht wenig Beispiele. Hier nur einige davon. Die turksprachige Entsprechung des Wortes „young“ war „jang“; „befestigen“ hieß „tak“ usw. Sinngemäß und in der Schrift sehr nahe sind die altturkischen und englischen Wörter wie „ton“ (Haltung, Ton, Stil), „kert – kerf“ (Kerbe, Einschnitt), „tang tung et – tang“ (schrill tönen). Selbst der berühmte Londoner Tower ist ein Hinweis auf den Hügel, auf dem er steht: „tau“ bedeutete so viel wie Hügel oder Berg. War ein Dialekt der Turksprache womöglich die Sprache von Altengland? „Das ist hier die Frage!“ Die Engländer übernahmen das Latein unter dem Druck der Kirche, davon zeugen ihre Bücher. Beispielsweise „Ethelberts Gesetze“, das älteste Buch in Altenglisch, das an der Wende zum 7. Jahrhundert in der Stadt Kent erschien. Darin wurden – die Gesetze der Langobarden und anderer Kiptschak wiederholt. Denn auch die neuen Engländer lebten in Übereinstimmung mit diesen Gesetzen. Der Text ist in Runen geschrieben, gleich anderen altenglischen Texten. Später verschwand das Buch rätselhafterweise. Warum wohl? Das ist nur zu verständlich. Die Kirche verbrannte die Bücher Altenglands auf den Scheiterhaufen der Inquisition. Aber Kopien blieben, und von Zeit zu Zeit werden sie unter den überraschendsten Umständen gefunden. Solche Funde sind unschätzbar. Nach allem zu urteilen, war die altenglische Literatur sehr ausdrucksvoll. So ist in der Tierdichtung „Bestiarium“ die Rede von drei Schutzgeistern: dem Irbis, dem Walfisch und dem Rebhuhn. Woher wussten die Engländer vom Irbis, einem Tier aus dem Altai? Woher von dem altaischen Brauch, die Schutzgeister zu verehren? So manche englische Gewohnheit weist direkt auf ihre turkische Herkunft hin, z. B. das Einander-auf-die-Schulter-Klopfen. Das war ein echt turkischer Brauch. Wissen die vergesslichen Engländer, dass ihr geliebtes Polospiel (vom Pferd aus und mit Treibhammern) lange vor der Großen Völkerwanderung ebenfalls im Altai entstand? Nur dass dort nicht mit dem hölzernen Treibball gespielt wurde, sondern mit dem Kopf eines Feindes, der in einem Ledersack steckte. Das war ein festliches Siegesspiel. Nein, das Blut der Kiptschak ist in den kalten Adern der Engländer nicht erkaltet. Das Äußere und das Verhalten dieser Menschen, die es manchmal ganz heiß mögen, verraten dieses Blut. Beliebt sind Boxen oder auch eine einfache Schlagerei. Selbst ihren Tee nehmen sie nach wie vor mit Milch, wie Schafhirten bei einer Rast, denn so tranken ihre Ahnen einst Tee. Sie lieben Pferde und Pferderennen, weil Pferd und Rennen zu den Kiptschak gehörten. Sie veranstalten Treibjagden auf Füchse und Hirsche in ihrem England, weil Angehörige des Turkvolkes nur so, nämlich vom Pferd aus, jagten. Auch die Falkenjagd kennen die Engländer ausgezeichnet. Woher stammt all das bei den Bewohnern von Albion? Eines Randgebietes des Römischen Reiches? Ein interessantes Volk, das seine Traditionen pflegt, ohne zu verstehen, dass es sich um Überreste seiner einstigen Kultur handelt. Jener Kultur, die vergessen oder, richtiger, die zu vergessen befohlen wurde. Bis zuletzt bewahrten die Engländer beispielsweise ihre alten Geldzeichen und Münzen. Ihr „komisches“ Geld ist ebenfalls ein Echo des Steppenlebens. Der englische Shilling rührt vom Wort der Turksprache „scheleg“, „für den Umlauf untaugliche Münze“; er enthält 12 Klein- oder Umlaufmünzen. „Penny“ leitet sich von „peneg“, d. h. Kleinmünze, ab. Und schließlich der Sterling: Diese Masseneinheit hieß in der Turksprache „sytyr“ oder „sytyrling“ und zählte 20 Scheleg. Alles ist bei den Engländern genauso geblieben. Die Ähnlichkeit des Wortes der Turksprache „manat“ mit dem englischen Wort „money“ untermauert diese Beobachtung. Das eine wie das andere bedeutet „Geld“. In ihrem Parlament haben die Engländer – seit vielen Jahrhunderten! – einen Sack mit Schafwolle. Ein solcher Sack war bei den Kiptschak ein Symbol der Macht. In der Großen Steppe saßen die meist verehrten Richter darauf. Die Engländer tragen ihre Fracks und wissen nicht, dass diese aus dem Altai kommen. Ihre Nachbarn, die Schotten, tragen ihre Kilts und genießen die traurigen Klänge ihrer Schalmeien, haben eine andere Lebensweise und dulden nichts Turkisches um sich. Weil es ihnen fremd ist. Auch ein anderes Volk Großbritanniens, die Waliser, die auch von den Engländern fremd genannt werden, haben nichts „Turkisches“ übernommen. Selbst ihre Feste sind anders – viel zu langweilig für einen echten Kiptschak. Die englischen Kiptschak stolzieren heutzutage selbstbewusst umher – und haben vergessen, was ihre Ahnen im Altai sagten: „Auch wenn man eine fremde Hose anzieht, bleibt man nicht unerkennbar.“ Das war Volksweisheit! Die Benediktiner schafften es mit List und Lüge doch, den Engländern fremde Hosen anzuziehen, veränderten sie jedoch dadurch nicht, machten sie nicht zu einem neuen Volk. Ein Anführer der Mönche, Augustin, wurde im Jahre 597 der erste englische Bischof. Der Papst setzte die Macht der Kirche in England durch. Als Erste bekannten sich Adlige zum Katholizismus. Die vierte oder fünfte Generation des Adels aber schämte sich bereits ihrer „wilden“ Ahnen. Alles kam genauso wie bei den Langobarden und Burgundern. Die Mönche gingen auf der Insel Tan an der Küste bei Kent an Land und begaben sich zum König, weil sie wussten, dass seine Ehefrau schon vor ihrer Heirat heimlich zum Katholizismus übergetreten war. Bei ihr fanden sie Zuflucht. Bald konvertierte Ethelbert, noch kein König, aber auch kein Khan mehr, zum katholischen Glauben. Ihm folgten seine Untertanen. Seitdem fügten sie sich in den Willen des Papstes, des „Statthalters Christi auf Erden“. Freilich stellten einige Engländer beharrlich zwei Altäre in den Kirchen auf: einen für Tengri und einen für Christus. Aber das änderte nichts mehr: Die Seele des Volkes war schon verkauft. Der Streit darum, wessen Altar besser sei, war kurz und wurde 663 beigelegt. Die Römer überlisteten die vertrauensseligen Engländer, indem sie ihnen die Schlüssel zum Himmel versprachen, falls nur ein Altar in ihren Kirchen bleibe. Es blieb also nur einer da. England wurde christlich. Aber der Doppelglauben hat sich bewahrt, er ist eine Norm, die die anglikanische Kirche bis heute auszeichnet: Der Katholizismus ist ein dunkler Schatten ihrer Vergangenheit. Er hat die Kirche unauslöschbar geprägt.

18.10.13 09:36, kommentieren

Powered by 20six / MyBlog
Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung